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Kurzgeschichten
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Hier enthülle ich Ihnen weitere Erzählungen,
entspringend den Mysterien meiner Heimat und
den verborgenen Geheimnissen meines Lebens.
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Geschichte 5 - Die ersten Druiden

In den dunklen Nebeln vergessener Zeiten, lang vor 75.000 Mondumrundungen, als das Licht der Sterne die Welt noch nicht erleuchtete, ereignete sich das sagenumwobene Kapitel der großen Wanderung.
 
Eine Ära verhüllt in Schleier des Mysteriums und der Vergessenheit, von der nur noch wenige Flüstern hören.
 
Der Stamm der Druiden durchstreifte ein Land, das sich von seiner eisigen Starre löste und von neuer Wärme umarmt wurde.
 
 
 
Ihre Reise führte sie entlang der Küsten, wo das Meer und die Flüsse sich zu einem wilden Tanz vereinten.
 
Ihr Volk war klein, verloren in den endlosen Weiten der Welt, und ihre Schritte wurden von Verlusten begleitet, die sich wie dunkle Schatten über sie legten.
 
Keine feste Heimat kannten sie, nur die endlose Suche nach einem Ort, der ihnen Ruhe schenken würde.
 
Ihre Wanderung führte sie vom fernen Osten, entlang der Küste, immer weiter gen Westen.
 
Bis sie schließlich die Gestade erreichten, wo heute das tosende Meer über längst versunkene Geheimnisse wacht.
 
Doch damals, als das Wasser noch niedrig lag, fanden sie hier Einkehr.
 
An diesem mystischen Ort erkannten sie, dass es an der Zeit war, ihre Wurzeln zu schlagen und der Zeit zu trotzen.
 
Der mächtige und erste Druide ihres Volkes, Aidan, sprach mit weiser Stimme: "Hier wollen wir verweilen und den Geheimnissen des Universums lauschen."
 
Doch hinter seinen Worten verbarg sich mehr, als seine Gefährten ahnten.
 
Geheimnisse, die tiefer reichten als der dunkle Ozean und älter waren als die Sterne selbst.
 
Inmitten dieser wilden Natur begannen sie, ihre einfachen Behausungen zu errichten, von Aidans Visionen geleitet.
 
Langsam erhoben sich die Hütten aus dem Schoß der Erde, verschmolzen mit den umgebenden Wäldern zu einer untrennbaren Einheit.
 
Das erste Langhaus nahm Form an, seine Wände von Erde bedeckt, seine Gestalt mehr einer uralten Höhle gleichend als einem menschlichen Bauwerk.
 
Doch darin lag die Kraft, die Verbindung zu den verborgenen Mächten zu vertiefen, die über diese Lande wachten.
 
Aidans Zeit des Wanderns war vorbei, sein Alter zwang ihn, in diesem Heim zu verweilen.
 
Doch sein Geist war noch lebendig, und er träumte von einer Zukunft, in der seine Nachfolger das Erbe der Druiden weitertragen würden.
 
Besorgt fragten sich die Menschen, wer nach Aidan kommen würde.
Doch der alte Druide hatte bereits einen Plan gefasst.
 
Nicht einer, sondern fünf junge Schüler sollten heranwachsen, um das Erbe der Druiden zu bewahren.
 
Fünf Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren wurden auserwählt, ihre Ausbildung zu beginnen. Kyria und Morgan, zwei junge Mädchen, und Fynnbar, Björn und Tacel, drei tapfere Jungen, wurden zu den Auserwählten berufen, die unter Aidans wachsamen Augen die Geheimnisse des Universums entschlüsseln sollten.
 
 
 
Aidan enthüllte ihnen die Geheimnisse der alten Pflanzen und Tiere, offenbarte die Mysterien der Gestirne und ihre verborgenen Einflüsse.
 
Mit weiser Hand lehrte er die uralte Kunst, Krankheiten zu heilen und Verletzungen zu behandeln.
 
Sie mussten bei jedem Handwerker in der Gemeinschaft mitwirken, um die verborgenen Pfade des Wissens zu erkunden.
 
 
 
Auf immer länger werdenden Wanderungen erforschten sie die verschleierten Geheimnisse ihrer Umgebung, und es schien, als seien sie die letzten Überlebenden in einem verzauberten Reich.
 
Doch die Gründung einer Siedlung barg auch düstere Konsequenzen.
 
Die Bewohner waren noch nicht bereit, die uralten Pfade des Wanderns zu verlassen, und die Geheimnisse des großartigen Ackerbaus lagen noch im Schatten.
 
Dennoch flüsterten die Schatten des Erfolges über ihre Viehherden, die Ziegen, Schweine, Schafe und kleinere Rinder umfassten.
 
Besonders der Fischfang half in schlechten Zeiten. Viele andere Wesen, längst vergessen, wurden gejagt, doch domestiziertes Geflügel war noch ein unergründetes Geheimnis.
 
Aidan errichtete mit den Schülern die Sonnenwendtotem, Baumstämme mit einem Loch im Stamm, durch das das Licht zur Sonnenwende auf den Mittelpunkt des Ritualplatzes fiel.
Später wurden kleinere Baumstämme im Kreis darum errichtet.
 
Immer zur Wintersonnenwende, wenn die Kraft der Druiden am stärksten war, konnten selten Rituale ausgeführt werden.
 
Die Sommersonnenwende war das Zeichen für den Beginn der warmen Jahreszeit, und das Dorf pulsierte vor Aktivität und Aufgaben bis spät in die Nacht.
 
Der Winter hingegen war die Zeit für Gebete und Legenden.
 
 
 
Die Jahre vergingen, und inmitten der geheimnisumwobenen Siedlung wurden weitere Wohnhügel errichtet.
 
Die Kinder wurden älter, und mit ihrer Reife erwachte das verborgene Begehren zwischen Tacel und Kyria.
 
Doch Aidan, der Wächter der Geheimnisse, verbot jede Bindung zwischen seinen Schülern.
 
Denn eines Tages würden sie ihre Schleier lüften und das Dorf verlassen müssen, um das verlorene Wissen zu ergründen und es mit den verschollenen Stämmen zu teilen. Tacel jedoch weigerte sich, dies zu akzeptieren, und drängte Kyria unaufhörlich, während sie sein Begehren beharrlich zurückwies.
 
Nach sieben Jahren lauerte Tacel Kyria allein im Wald auf. Obwohl er hager war, überragte er sie an Kraft.
 
Sie konnte sich kaum wehren, als er ihre Kleidung zerfetzte und sein düsteres Werk vollenden wollte.
 
In diesem Augenblick traf ihn ein kräftiger Schlag von der Seite.
Björn, jünger als Tacel, aber ebenso groß und stark, hatte Kyria gerettet.
 
Am Abend musste Aidan entscheiden, was nun geschehen sollte.
Tacel hatte viel Wissen erlangt, und sein Verlust wäre ein Schlag für die ganze Gemeinschaft.
 
Aidan urteilte, dass Tacel die Gemeinschaft beim nächsten Vollmond verlassen und nie wieder zurückkehren dürfe.
 
 
 
Zwei Tage vor diesem Termin tauchte Tacel bei Aidan auf.
Der alte Druide dachte, er wolle sich rechtfertigen, um Aidan umzustimmen.
 
Jedoch waren Tacels Absichten finster.
Mit einem Obsidian Dolch, benetzt mit klebriger weißer Flüssigkeit, stieß er zu.
 
Nur Aidans schnelle Reaktion rettete ihn vor einem Herzstich. Aidan war klug genug, die Gefahr zu erkennen, und schleuderte eine Handvoll Sporen in Tacels Gesicht.
Die Wirkung war verheerend, ließ seine Haut aufplatzen und rote Blasen bilden.
Tacel schrie vor Schmerz, doch dann begann er zu lachen.
 
Die anderen vier Schüler kamen angelaufen, erkannten die Situation und überwältigten Tacel.
 
Sie fesselten ihn an einen Baum.
 
Währenddessen kümmerten sich Kyria und Morgan um Aidan.
Anfangs schien es, als hätten sie Glück gehabt, die Wunde war oberflächlich.
 
Jetzt breiteten sich die Schmerzen in Aidans Brust aus.
Tacel hatte ein Gift benutzt, das aus seltenen Pflanzensäften gewonnen wurde.
 
Die Schüler kannten viele Heilkräuter und -methoden, doch dieses Gift entsprach keiner bekannten Substanz. Fynnbar, der größte der Jungen, normalerweise friedlich, entfesselte seine Wut und schlug Tacel wiederholt, bis sein Gesicht, das schon unter den Sporen gelitten hatte, zerbrach.
 
Tacel gestand später, dass es sich um eine Mischung aus Pflanzensäften handelte, für die es keine bekannte Heilmethode gab.
 
 
 
Die Schüler gaben jedoch nicht auf.
Sie mischten eine heilende Salbe nach der anderen und gaben ihr Bestes.
 
Ein zaghafter Erfolg zeigte sich.
Nachdem Aidan wieder auf den Beinen war, wurde Tacel sofort verbannt.
 
 
Am selben düsteren Abend fanden sich die Schatten um Tacel zusammen, als er sich aus seinen Fesseln befreite und erneut Aidan angriff.
 
Die Dunkelheit der Nacht verbarg sein Tun, während er mit geschickten Bewegungen eine verborgene Knochennadel in den Nacken des alten Druiden trieb.
 
Ein geisterhaftes Flüstern erfüllte die Luft: "Euer Wissen war mein Ziel, doch eure Regeln sind mir ein Gräuel.
 
Nun wird das wahre Gift seine Macht entfalten, denn eine weitere Zutat ist nun vollendet.
Danke, doch euer Untergang ist besiegelt."
 
Ein unheilvoller Schmerz durchzog Aidans Brust, als seine Glieder von Taubheit erfasst wurden.
 
Die Dorfbewohner eilten herbei, doch Tacels Zorn kannte keine Grenzen.
Ein jeder, der sich näherte, spürte die Bitterkeit seiner Rache.
 
 
Vergebens waren ihre Bemühungen, Aidan zu retten, und die Schüler waren weit fort.
 
Nur die hoffnungslose Verbannung und die Hingabe Kyrias konnte ihr Schicksal mildern.
 
Die Dorfbewohner erhoben sich gegen Tacel, doch das Schicksal war bereits in Bewegung.
 
Drei weitere fielen seinen dunklen Machenschaften zum Opfer, während niemand mehr wagte, ihm näher zu kommen.
 
Doch als die Nacht ihren Griff lockerte, durchbohrte ein Speer mit Knochenspitze Tacels Arm.
 
Fynnbar war zurückgekehrt, und sein Angriff zerriss die Dunkelheit.
Tacel wurde zu Boden gerissen, gefangen im Netz der Bestrafung.
 
Aidan versammelte die Schüler um sich. Tacel wurde gefesselt, ein Gefangener der Finsternis, für immer gefangen im Bann der Vergeltung.
 
Die Schüler wurden belehrt und ihre Wege wurden gewiesen.
Björn und Morgan sollten über Land ziehen und von vergessenen Mythen berichten, während Kyria und Fynnbar den Wächter der Gemeinschaft bilden sollten.
Doch Aidan warnte vor dem drohenden Unheil aus dem Süden, das unaufhaltsam näher rückte.
 
Mit dem Schwinden der Nacht verblassten auch Aidans Kräfte, und sein Lebenslicht verblasste.
 
Die Schüler wachten über ihn in seinen letzten Stunden, doch ihre Tränen vermochten das Unabwendbare nicht aufzuhalten.
 
Am Morgen war Aidan für immer in die Ewigkeit entschlafen.
Die Dorfbewohner überlebten, doch die Lähmung, die sie befiel, trug schwer an ihrer Hoffnung.
 
 
 
Die Gemeinschaft schrumpfte, und die Schüler wurden zu wandernden Lichtern in der Dunkelheit.
 
Als die Sonne über den Horizont stieg, versammelte sich das Dorf erneut.
Fynnbar stand an der Spitze, sein Blick entschlossen und seine Stimme fest.
 
Die Entscheidung war gefällt: Tacel sollte der Ewigen Strafe unterzogen werden, denn das Töten eines Bruders des Stammes war ein Verbrechen, das nicht vergeben werden konnte.
Die Schüler zögerten, doch Fynnbar sah ihnen in die Augen, und sie verstanden.
 
Das Ritual der Ewigen wurde vorbereitet, ein finsteres Kapitel in den Annalen der Zeit.
Tacel erkannte das Schicksal, das ihn erwartete, und doch konnte er die Absichten der Schüler nicht begreifen.
Er verachtete ihre Schwäche und zweifelte an seinem eigenen Plan.
 
 
 
Gefangen in der Gewissheit der Macht, widerstand er dem Drang zu fliehen oder das Ritual zu stören.
 
Sein Verlangen nach Überlegenheit trieb ihn voran, während die Dunkelheit um ihn herum wuchs.
 
Der Tag brach an, und Tacel wurde auf den Altar des Rituals gelegt.
Opfertiere wurden herbeigeführt, und die Schüler vergossen ihr Blut in einer Zeremonie, die jenseits menschlicher Vorstellungskraft lag.
Das Geheimnisvolle umhüllte die Szene, und die Dunkelheit lauerte in den Schatten.
 
Als die Sonne unterging, endete das Ritual, und Tacel fühlte sich lebendiger und mächtiger denn je.
 
Doch sein Gefängnis war nicht gebrochen, und er war dennoch gefangen.
 
In den Wirren der Nacht löste Tacel schließlich seine Fesseln und erhob sich, ein Schatten in der Dunkelheit, bereit, seine Macht über das Land auszubreiten.
 
Keine Sekunde zögerte er und lief los, immer Richtung Süden, weg von seinen ehemaligen Mitschülern.
 
 
 
Mögen sie und das Dorf doch untergehen.
Fynnbar, der immer noch schwach war, sprach den Schattenbann über Tacel, so dass er das Dorf nie wieder finden könnte, solange er auch danach suchte.
Jetzt war es an der Zeit für Fynnbar, sich auszuruhen, und die anderen bereiteten ihre Abreise vor, die beginnen sollte, sobald das Wetter wärmer wurde.
 
Das Schicksal hatte noch unergründliche Wege vorbereitet, die weit über die Grenzen des Gewöhnlichen hinausreichten. Tacel erreichte Stämme im Süden und wurde schnell zu einer Legende, einem Schatten, der zwischen den Welten wandelte. Sein Körper war ein Gefängnis seiner Unsterblichkeit, während sein Geist von dunklen Mächten gequält wurde. Von seinen druidischen Lehren vergaß er im Rausch seiner Macht viel und brachte viel Leid über die Menschen, doch sein Fluch verweigerte ihm den Frieden des Todes.
 
Die Zeit schritt unaufhaltsam voran, und mit jedem vergehenden Moment wurden die Ketten seiner Unsterblichkeit zu einem Folterinstrument.
 
 
 
Sein Körper begann zu verwelken, seine Seele zu ertrinken in einem Meer aus unendlichem Leid.
 
Doch selbst in dieser qualvollen Existenz blieb sein Name ein Flüstern in den Schatten, eine Warnung vor der Gier nach unirdischer Macht.
 
Eines Tages wagte ein mutiger Jünger, ihn herauszufordern und fügte Tacel großen körperlichen Schaden zu.
 
Die Strafe für seine Hybris war weit schlimmer als er es sich je hätte vorstellen können. Gefangen in einer Höhle aus Finsternis und Erde, verwandelte sich Tacel in einen Geist, der zwischen den Welten gefangen war, unfähig zu leben, unfähig zu sterben.
 
Es wurde noch schlimmer, sein Gehör versagte und nach und nach verfiel sein Körper.
 
Er konnte nichts sehen, nichts hören und nichts mehr fühlen.
Es war die absolute Leere, und dennoch war sein Geist da.
 
Die Hofnnung, dass er vergessen würde, das geschah nicht.
Die Erinnerung an seine Bosheit und dass er nicht sterben konnte, wurden überliefert.
 
Beim Namen war man sich nicht mehr so sicher, und er verwandelte sich von Tacel in den Teufel und sein Leiden kannte kein Ende, seine Existenz war ein Fluch, der ihn für alle Ewigkeit geißelte.
 
 
 
Als die Dunkelheit ihn umhüllte und die Stille der Ewigkeit seine einzige Gesellschaft war, erkannte Tacel, dass seine wahre Prüfung noch bevorstand, in einer Welt, die von Schatten und Geheimnissen durchdrungen war, bereit, sich zu offenbaren, wenn die Zeit gekommen war.
 
Björn fand seinen Weg in die eisigen Gefilde des Nordens, wo er sein Wissen an jene weitergab, die nach Wahrheit und Stärke suchten.
 
Morgan wurde im Westen verehrt für ihre Heilkünste, während Kyria im Osten neue Völker und fremde Kulturen entdeckte.
 
Doch selbst in der Ferne waren sie verbunden durch die Erinnerungen an ihre gemeinsame Reise und die Macht der alten Magie.
 
Fynnbar, der letzte Wächter der alten Weisheit, verblasste mit der Zeit, doch sein Vermächtnis lebte weiter in den Herzen derer, die er unterwies.
 
Sein Geist segelte auf einem Schiff aus Eichenholz über das unendliche Meer, seine Weisheiten im Nebel des Vergessens bewahrt.
 
Aidan hingegen wurde eins mit der Natur, begraben unter den Wurzeln eines mächtigen Baumes, der über das Dorf wachte und seinen Schutz für alle Ewigkeit versprach.
 
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